Ende eines Selbstversuch – 30 Tage jeden Tag
So, gestern war mein letzter Lauf meines Jedentaglaufen-Versuchs. Ich werde vielleicht heute auch laufen, aber da mit völlig anderen Zielsetzungen habe ich das Jedentaglaufen zumindest mental schon gestern beendet
Mein Fazit: nix für mich
Warum?Keine Angst – heute kein Frage/Antwort Spiel – ich sags rundheraus – weil mein Trainingsplan was anderes sagt
Hehe – nein Quatsch, weil ich einfach denke dass das für mich nicht passt. Was ich toll daran fand ist, dass sich eine Art Automatismus entwickelte, wenn man abends eigentlich auf die Couch will und einem dann das Engelchen im Ohr zuflüstert: “Pssssst nicht hinsetzen und tumb vor der Glotze abhängen, du bis heute noch nicht gelaufen” und das Teufelchen dann schnell zum Kühlschrank will um das Bier zu holen und was von: ” heeeee, draußen ist es so kalt und Regeneration ist doch soooo wichtig…” sabbelt und dann das Engelchen was von :”Nur Weicheier bleiben jetzt zuhause…” säuselt, dann ist es einfach um mich geschehen und ich zog mich doch um und bin noch raus oder aber aufs Laufband.
Doch der Konsequenz ist das durchaus förderlich. Was ich auch super fand ist so das zufriedene Gefühl zu haben, jeden Tag was für sich getan zu haben, einfach so einfach im Laufschritt und dass ich dazu in diesen 30 Tagen mittlerweile fast 4 kg abgenommen habe!
Auch dass meine Frau sich darauf eingestellt hat, dass ich jeden Tag laufe war durchaus angenehm. Wenn man nur ab und zu läuft kommt schon gerne mal die Frage auf, ob das denn jetzt wirklich im Moment sein muss
Aber ansonsten war es doch eher nix.
Ich habe in der Zeit nicht richtig hart trainiert, da es mir irgendwie graute, dann mit Muskelkater ggf. am nächsten Tag schon wieder zu laufen.
Der Einstieg machte mich ziemlich schlapp, wobei ich da ehrlicherweise gestehen muss, dass mir das mittlerweile gar nichts mehr ausmacht, das werte ich dann auch als positiven Trainingseffekt. Aber das anfänglich leicht aufkommende Shin-splint Problem zeigte, dass auch langsamere Läufe, wenn man jeden Tag auf die Piste geht durchaus “belastend” sind.
Dann hatte ich in der Zeit 2-3 Mal wirklich überhaupt keinen Bock zu laufen und musste mich dann regelrecht zum Laufen zwingen und das ist für mich eigentlich auch der Hauptpunkt der bei mir gegen das tägliche Laufen spricht. Ich lass mir gerne durch Trainingspläne und eigene Ziele einen Rahmen vorgeben, wenn ich mich grad aber aus welchen Gründen auch immer nicht nach laufen fühle, dann lass ich es eben mal und verschiebe es auf einen anderen Tag. Dieses nicht auf das eigene Gefühl hören und raus müssen ist absolut nicht meins.
Automatismus hin oder her, und auch wenn das Engelchen es ggf. gut mir meint und auch wirklich sehr nett ist und auch wenn ich weiß, dass es dem Teufelchen scheiß egal wäre, wenn ich kugelrund faul vor der Glotze verfetten und verblöden würde – das ist mir dann irgendwie alles egal! Ich höre einfach gerne auf meine innere Stimme, die weder Teufelchen noch Engelchen ist sondern einfach ich selbst ohne Gedanken an den inneren Schweinehund oder an den Mann mit dem Hammer, die versucht ganz rational zu bewerten was gut und was schlecht für mich ist. Oft mag das dann doch das Teufelchen in dieser inneren Stimme sein, mein Engelchen ist dann eben stark genug und bringt mich auch ohne Druck was machen zu müssen immer wieder auf den richtigen Weg. Zumindest war das bisher meist so der Fall
Gut, ab gestern/heute ist es jetzt also um und es zählt nur noch mein Trainingsplan und meine Lust mich regelmäßig aber mal so richtig hart ranzunehmen…
Vielleicht werd ich irgendwann mal doch ein Streakrunner, aber ich denke das wird erst dann wieder der Fall sein, wenn ich Wettkämpfe ohne Chance auf persönliche Bestzeiten zu erzielen bestreiten werde. Also hoffentlich erst in frühestens 10 Jahren oder so

Januar 19th, 2009 um 08:09
Tja, das mit dem Täglich-Laufen probiere ich erst gar nicht, weil ich sehr gut weiß, dass mein Körper regelmäßig nach Erholung schreit, und wenn er die nicht bekommt, dann revanchiert er sich, und dem gehe ich besonnener weise besser aus dem Weg.
Andere laufen über Jahre hinweg täglich, hier ist es wie bei allem – laufen und laufen lassen.
Für mich bedeutet tägliches Laufen Zwang, und Zwänge bietet uns unsere Gesellschaft genug, im Privat-Leben jedoch brauche ich das nicht.
Nun denn – Grüße an Teufelchen und besonders an Engelchen !
Januar 19th, 2009 um 08:25
@Ultraistgut: Fur manch andere sind Trainingspläne zwang. Hast du für dich selbst auch nen Trainingsplan, oder läufst du intuitiv ohne Trainingsplan? Ich habe bei mir die Erfahrung gemacht, dass ich ohne Trainingsplan sehr gut leben könnte, aber bezüglich sportlichen Zielen und deren Erreichung deutliche Abstriche machen muss, wenn ich einfach nur so laufe. Das ist zwar nicht weiter dramatisch, aber es ist auch schön durch anspruchsvolleres Training, das sinnvoll(??
) aufgebaut ist, zu sehen, was aus dem Körper ohne sonderliche Anstrengung in einem Wettkampf plötzlich herauszuholen ist.
Einen Erfüllungszwang habe ich auf alle Fälle beim Laufen nach Trainingsplan in geringerem Umfang (insbesondere da ich familär und geschäftlich doch immer wieder Termine verschieben/ausfallen lassen muss und ich eben immer wieder umorganisieren muss.
Interessant war es auf alle Fälle, mal den inneren Dialog bewußt zu erleben, wenn man einfach raus “muss” um seinen Streak am Laufen zu halten und bei 30 Tagen wäre das ja jetzt auch kein Beinbruch mal zu pausieren und wieder neu zu starten. Aberbei 100 Tagen oder 300 Tagen und mehr? Da gibt es das Teufelchen wahrcheinlich nur noch mit zugeklebtem Mund
Januar 19th, 2009 um 12:50
Tja, mit Plan tue ich mich auch leichter. Zwar ginge es auch ohne, aber wenn einigermassen was dabei herauskommen soll….
Einen Streak braucht man nicht, zumindest nicht über Monate weg, das ist trainingstechnisch einfach Unfug und trägt über lange Sicht kaum zu einer Leistungssteigerung bei. Wenn Du einen vernünftigen Trainingsplan hast, dann bekommst Du “automatisch” Pausentage verabreicht – und das ist auch gut so!
Januar 19th, 2009 um 12:57
Täglichlaufen ist speziell und individuell. Eine Konzeption mit vielen Nachteilen und viele Vorteilen. Wer darin Zwang sieht, hat es nicht verstanden. Denn wenn man aus einem Zwang heraus, täglich laufen möchte, vielleicht noch über Jahre – Nein, das kann nicht funktionieren. Täglichlaufen als Zwang ist eine Illusion.
Die Antwort von “Farmin” weise ich zurück. Wer sagt, daß man nur läuft, um Leistungen zu erzielen? Ich laufe, um KEINE Leistung zu erzielen. Ich laufe, um die Natur zu genießen. Aber das verstehen 99,9% der Läufer nicht.
Dennoch, tolle Leistung, Martin!
Januar 19th, 2009 um 13:40
Es ist eben das, was sich schon an einigen Stellen in den letzten Wochen in Blogs gezeigt hat. Wie Black Sensei sagt, Täglichlaufen darf kein Zwang sein, dass muss man wollen. Dabei steht das Erlebnis des Laufens absolut im Vordergrund. Da brauch man dann nicht einmal eine Uhr beim Laufen, weil die Zeiten und Distanzen völlig egal sind.
Daher finde ich es aber auch von dir richtig, Martin, dass du dich dagegen entschieden hast. Denn ich stimme Farmin Gorerunner zu – trainingstechnisch ist es in “unseren Leistungskategorien” Unsinn.
So handhabe ich es auch. Ich genieße zwar bei jedem Lauf auch die Natur, aber um gute Zeiten geht es mir trotzdem.
Wenn ich aufgrund der Lust und Laune dazu kommen würde, dass ich täglich auf der Strecke wäre: alles gut. Auch nur aus diesem Grund habe ich im Januar erst einen trainingsfreien Tag gehabt.
Letzten Endes muss ohnehin jeder selbst wissen, was für ihn das beste ist.
Januar 19th, 2009 um 14:00
@Farmin Gorerunner Das mit den Pausentagen geht auch mit Jedentag Läufen. An den Tagen, an denen meinen Beine schwer waren, oder die Motivation nicht sooo hoch war, bin ich 3 Kilometer eher langsam gelaufen. Das war nahezu mit einem Pausentag gleichzusetzen. Trotzdem ist das natürlich mit etwas Überwindung verbunden…
@Black Sensei: Mir geht es nicht um den Zwang sehen. Ganz im Gegenteil. Ich hatte Spaß und es hat mir auch ne neue Erfahrung aufgezeigt. Trotzdem hatte ich an zwei Tagen überhaupt gar keine Lust zum Laufen, wollte aber zumindest 30 Tage mein Ziel aufrechterhalten und hab mich dann doch vom Engelchen überreden lassen auf die Piste zu gehen. Das war/ist für mich ein Zwang, den ich aus dem normalen Training heraus nicht kenne. Da hab ich auch ab und zu mal keine Lust, aber ich bin nur dann zum Laufen gegangen wenn ich es wirklich wollte und nicht weil ich es für die Erreichung irgendeines Zieles musste. hab ich mich nicht motivieren lassen hab ich das Training ausfallen lassen, oder bei einem meiner 3 Kerneinheiten (Intervall, tempo, langer Lauf) meist nachgeholt! Das Laufen um die Natur zu genießen kann ich verstehen. Absolut. Ich versuche persönliche sportliche Höchstleistungen mit der Freude an der Natur sinnvoll zu verbinden und hoffe dazu auch den richtigen Schlüssel gefunden zu haben.
@Hannes: das mit dem Trainingstechnischen war wirklich nicht so das Problem – kann aber nach härteren Einheiten schon noch der Fall sein, dass man wirklich pausieren sollte. Ich denke für mich ist es wirklich im Moment besser, mich vor allem auf meine Kernläufe zu konzentrieren und möglichst wo ich nur kann die Regeneration zu unterstützen. Immerhin wird mein Training jetzt deutlich anspruchsvoller. An einem Pausentag mach ich daher auch Pause und geh maximal mal in die Sauna
@Alle: egal ob Jedentagläufer, Gelegenheitsläufer, leistungsorientierter Läufer oder … hauptsache man verliert den Spaß nicht an der Sache und kann die Natur so weit es geht genießen,. heute bei dem Schmuddelwetter und den glatten Straßen ist das nicht ganz so einfach
Januar 19th, 2009 um 15:09
Martin, meine Antwort war auch nicht böse gemeint.
Dein letzter Absatz, genau meine Meinung. Es muß jeder tun, was ihm Freude bereitet. Egal, ob mit oder ohne Plan, Täglichlaufen oder nicht. Nichts davon darf zum Zwang werden – dann artet es aus. Ich kenne da durchaus Beispiele.
Januar 19th, 2009 um 20:17
Aber es sind doch ganz neue Erfahrungen. Erfahrungen die man am Anfang ganz anders erwartet hätte. Es ist ein ganz anderes Laufen.

Man läuft halt!
Vielleicht nachdem Du dein großes Ziel erreicht hast.
Lassen wir uns überraschen!
Januar 20th, 2009 um 08:33
Martin,
ich bin noch nie in meinem Leben mit Plan gelaufen, das ist für mich persönlich das beste.
Hier habe ich in meiner HP darüber geschrieben:
http://www.laufspuren.de/ichlaufeohne/index.php
Januar 21st, 2009 um 08:22
@Black Sensei: Ich denke ich hab dich verstanden und kann dich auch verstehen. Ich bin (noch
) nicht dafür reif… Ich weiß aber, dass ich irgendwann mal auch (nur
) noch einfach so so laufen werde, ohne Zeitziele, ohne Wettkampfziele, aber hoffentlich immer noch
mit viel Spaß
@Gerd: Ich glaube nicht, dass das so schnell kommen wird, aber wer weiß das schon
@ultraistgut: Das hab ich doch glatt schonmal gelesen. Interessanterweise ist es bei mir tatsächlich so, dass ich bei 10 Kilometer Wettkämpfen auch keinen Spaß im Sinne von Freude am Laufen habe. Das habe ich irgendwie im Wettkampf vor allem beim Halbmarathon und beim Marathon zumindest bis Kilometer 30
Warum also macht ich trotzdem jedes Jahr den ein oder anderen 10 Kilometer Wettkampf? Ich glaube, weil ich ein Wettkampftyp bin und ich mich einfach gerne im Wettkampf mit anderen und vor allem mit mir selbst messe. Tatsächlich geht es mir nach 10 Kilometer Wettkämpfen auch nicht so gut wie nach Halbmarathon oder Marathon Wettkämpfen, aber nach 5 Minuten ist bei mir der 10er Geschichte – bin ich heut gelaufen? Upps
Mein Fazi über alle Kommentare hinwegt:
Dieser Widerspruch “Spaß am Laufen” und “quälen für (pers.) Bestleistungen” ist für Aussenstehende genauso schwer zu verstehen, wie “Spaß am Jedentaglaufen” und “Phasen des inneren Widerstands überwinden” oder ähnliches… oder auch ausserhalb des laufens eben dieses und jenes….
Wenn man aber etwas nicht versteht oder etwas für sich ablehnt, so sollte man dabei nicht Vorverurteilen und generelle Ablehnung zeigen, sondern eben immer bereit sein auch dazuzulernen und sich selbst ggf. durch die Anregung anderer weiterentwickeln oder eben doch nach Prüfung so zu bleiben wie man ist. Anhand der Kommentare hier im Blog lerne ich auch dazu und hoffe mich dadurch auch weiterzuentwickeln bzw. zumindest zum Nachdenken angeregt zu werden.
Wenn man sich durch die Blogs vieler Läufer liest ist für mich die einzig gemeinsame Schnittmenge über alle Läufer hinweg dann doch “nur” das eigentliche Laufen. Sowohl die Motivation, als auch die Durchführung des Laufens an sich sind so unterschiedlich, wie die Blogs, die Natur in der wir Laufen und auch jeder dieser Läufer selbst. Ich finde es auf alle Fälle sehr interessant unterschiedliche Ansätze und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen.
Januar 21st, 2009 um 11:40
Martin, das hast du schön gesagt:
” Sowohl die Motivation, als auch die Durchführung des Laufens an sich sind so unterschiedlich, wie die Blogs, die Natur in der wir Laufen und auch jeder dieser Läufer selbst. Ich finde es auf alle Fälle sehr interessant unterschiedliche Ansätze und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen.”
Von anderen lesen, auch mal selbst etwas anderes ausprobieren, bis man endgültig seine Art des Laufens gefunden hat, besonders von Vorteil
für Anfänger.
Alte Hase, hingegen, wissen, was sie wollen und ändern kaum noch ihre Gewohnheiten, und dazu zähe ich mich !
Januar 23rd, 2009 um 16:36
Danke, Martin, dass du dieses Experiment durchgezogen hast. Ich glaube, ich hätte dieselbe Erfahrung gemacht. Ich finde irgendwie, dass Laufen mit (gewissen) Ambitionen und Täglichlaufen sich irgendwie dann doch widersprechen. Und (Anwesende ausgenommen) ist es bei den Täglichläufern doch eher so, dass sie sehr regelmäßig eher kurz und gemächlich laufen, was aber wiederum einem eigentlichen Trainingsgedanken i.S. der Sportwissenschaft widerspricht.
Gleichzeitig gehöre ich auch zu denen, die eigentlich immer nach Lust und Laune laufen und Trainingspläne als Inspiration, Lernmaterial und Richtschnur betrachten. Aus beiden Gründen – meine Spontaneität und mein Ehrgeiz – käme ein Streak für mich (auch) nicht infrage
Januar 26th, 2009 um 08:56
@ die Erleberin: Danke für deinen Kommentar. Insbesondere deine letzten beiden Sätze treffen auch auf mich 100% zu, wobei ich im letzten Satz einfach noch ein “noch” ergänzen würde