Über Nahrungsergänzungsmittel zum Doping?
Was las ich heute in der Tageszeitung, Sportler, die Nahrungsergänzungsmittel nehmen sind auch gefährdet in einem nächsten Schritt zu dopen? Die Übergänge seien fließend?
In der heutigen Zeit, wo jede herausragende sportliche Leistung gleich Misstrauen weckt, finden solche Berichte natürlich herrlich Anklang.
Heute Vitamin C und Magnesium und morgen irgendwas aus beigefügter Dopingliste. Yippieh wie einfach für die Dopingfahnder – schnell mal an die Apotheke nebenan stellen und die lokale Sportszene des Dopings überführen
Ich bin selbst auch eher ein Verfechter der Biovollwertkost und versuche ich auch weitgehend gesund zu essen, so steht bei mir trotz allem einmal die Woche Pizza auf dem Speiseplan. Und auch sonst ist es doch relativ schwierig als Sportler, sich so zu ernähren, dass alle Anforderungen perfekt abgedeckt sind. Liest man sich dann durch diverse Fachzeitungen und Läuferblogs, wird man doch hin und wieder verunsichert und dann fängt es schon allein mit der Auswahl des persönlichen Sportgetränks an. Während der konservative Sportler und der “Öko” am liebsten zum Apfelschorle aus der handlich “praktischen” Mehrwegflasche bzw. ggf. politisch nicht so korrekt aus der Lidl/Aldi/Penny usw. Plastikflasche greift, suchen dopinggefährdete Bestzeitenjäger in Frubiase, Isostar, Gatorade, Powerbar, Sponser, Ultra Buffer usw…. ihr Glück und ihre verloren geglaubten Sekunden. Ein bischen einfach – oder?
Dennoch, hier springen dann Dr. Strunz, Dr. Spitzbart oder Laufguru Peter Greif und wie sie alle heißen in die Bresche und propagieren Nahrungsergänzungsmittel zur zusätzlichen Eiweißaufnahme, Vitamin C und E und Mineralienkomplexe. Mittel wie Panaceo sollen Laktat fressen und wenn mal wieder etwas zuviel auf den Rippen ist hilft Pulverchen X und Y und und und… die Bestzeit wartet – iss sie einfach
Und wenn man den Werbeversprechen oder der Ideologie bzw. der Argumentation der Experten glaubt, wenn man sich intensiv mit dieser Materie auseinandersetzt und glaubt man könne Defizite der Ernährung mittels Nahrungserganzungsmitteln ausgleichen, dann würde das zu einer Tablettenmentalität führen, die den Einstieg in eine Dopingmentalität führen kann. Hier ein gleichlautender Bericht aus dem Netz. Gut, mag man so stehen lassen, sehe ich dennoch kritisch.
Da halte ich es eher wie andere Verfechter, die sich gegen Nahrungsergänzungsmittel aussprechen und die in der Laufszene auch keine schlechten Namen haben. z.B. Herbert Steffny. Dessen Statement und auch dem Statement von Viktor Röthlin möchte ich mich prinzipiell anschließen. Beide propagieren die gesunde Ernährung und sprechen sich eher gegen Nahrungsergänzungsmittel aus.
Dennoch, es mag durchaus sein, dass der Einstieg in die Dopingmentalität über Nahrungsergänzungsmittel erfolgen kann, er erfolgt dann aber auch häufig schon in dem Moment in dem man sich überhaupt intensiver mit sich und seinem Sport auseinandersetzt und persönliche Bestleistungen erreichen möchte.
Während sich also die neudeutsch “Couch Potatoe” herzverfettet, dopen sich die Sportler auf der Jagd nach der Bestzeit auf der Hausrunde mit Magnesum, Isogetränken und Powergels zu Tode
Und was mach ich? Na? Sei ehrlich Martin?
Tja, in meinen Wettkämpfen habe ich auch immer mein Powergel dabei und ich nehme trotz allem in kritischen gesundheitlichen Phase, Vitamin C und Schüsslersalze und wenn der Stress zu stark ist und meine Ernährung unterirdisch dem Stress Tribut zollt ein Eiweißpräperat, wohl wissend, dass das nur eine Notlösung sein kann. Also völlig frei von Nahrungsergäntzungsmitteln ernähre ich mich übers Jahr gesehen auch nicht. Dopinggefährdet sehe ich mich allerdings nicht. – Aber das werden wir natürlich die nächste Zeit mal einer kritischen Prüfung unterziehen …. – wie wir spätestens seid heute wissen, sind die Übergänge fließend…
Zum Ende noch ein Hinweis – auf der Seite von Viktor Röthlin sind zwei interessante Berichte verlinkt:
Besonders gut finde ich den zweiten: Lebensmittel können mehr als wir meinen.

August 20th, 2008 um 14:18
Hallo Martin,
sehr interessantes Statement, das du da abgibst. Ich bin auch der Meinung, dass das, was die Lokalpresse da von sich gibt, nichts weiter ist als ein gefundenes Fressen im Olympia-gehypten Sommerloch. Will heißen: Wenn Leute, die extre gute Leistungen bringen, extrem viel dopen, müssen die, die etwas Leistung bringen, etwas dopen.
Persönlich finde ich diese Schlussfolgerung an den Haaren herbeigezogen. Das gilt, zumal “Doping” nicht an der begangenen Handlung festgemacht werden kann, sondern an dem Zweck, zu dem diese Handlung betrieben wird. Beispiel: Nimmt ein ältlicher Stadtlauf-Teilnehmer ein Herz-Medikament, weil er herzkrank ist, dient das seiner Gesunderhaltung und/oder Lebensqualität, und es gibt keinen vernünftigen Grund, ihm den Sport, die Medikamenteneinnahme oder gar beides zu verbieten. Tut ein kerngesunder Jungspund bei einem wichtigen Wettbewerb dasselbe, erscheint die ganze Handlung “Einnahme von Medikament x” natürlich in einem ganz anderen Licht.
Daher ist für mich Doping auch ein Problem von Sportlern auf einem Niveau, auf dem es “um was geht”. Wenn jemand 45 Stunden pro Woche arbeitet, Familie, Hund und andere Hobbies hat und dann mal ‘ne Magnesiumtablette oder Vitamin C einschmeißt, weil er nunmal keinen Sternekoch vom (z.B.) Fußball-Verband gestellt kriegt, so ist das in meinen Augen nicht verwerflich – und auch kein erster Schritt dorthin.
Und ganz davon abgesehen halte ich Doper für arme Würstchen, die mangels anderer Optionen ihr Glück im Sport suchen müssen – und häufig weder den Verstand noch das Format haben, an der richtigen Stelle “Stopp” zu sagen.
Ach ja, ich nehme übrigens auch ein paar Brausetabletten pro Woche (aus dem Supermarkt oder der Drogerie), wobei es mir trotz aller vermeintlich positiven Effekte sichtlich schwer fällt, die vorgeschlagene Dosis regelmäßig zu erreichen. *schulterzuck*