Am Anfang war …

… eine Schnapsidee. Irgendwann mal vor zig Jahren gab es beim Crailsheimer Volksfest einmalig einen City Teamlauf. Ein Team von zwei Läufern lief damals eine ca. 800 Meter lange Runde um das Crailsheimer Rathaus. Ich lief mit meinem älteren Bruder Uli – er läuferisch top und ich… -na ja. Das Rennen ging eine Stunde und ich hab mich tierisch platt gelaufen und blamiert… Damals dachte ich noch „nie wieder Laufen“ …

Einige Jahre später lief ich doch wieder – von 0 auf 42 in 6 Monaten…

Nachdem ich letzte Woche zum http://www.ebmpapst-marathon.de interviewt wurde, kam mir auch mein erster Einzelwettkampf – ein Halbmarathion – wieder in Erinnerung:

– wie ich mit meinem Mitläufer Thorsten (der leider nicht mehr mitläuft) zusammen nach Niedernhall fuhr
– wie mir vor dem Start mein Knie weh tat und ich Angst hatte, dass ich gar nicht ins Ziel komme
– wie uns bei unserem Ziel „sub 2:00 – 6er Schnitt“ plötzlich klar wurde, dass das wohl nicht ganz reicht, weil ja nen Halbmarathon nicht nur 20 km hat 😉
– wie ich mit Ercan (auch ein ehemaliger Mitläufer) bis ca. km 10 zusammenlief und er mir jede Kilometerzwischenzeit mitteilte und zur möglichen Endzeit hochrechnet…
– wie ich mutig auf die zweite Streckenhälfte ging und ohne Ercan bis zum Ziel nur noch überholte und den perfekten Flow spürte
– wie ich kurz vor den Ziellinie auch noch Jörg (einen weiteren ehemaligen Mitläufer) überholte und dann mit 1:48:50 ins Ziel lief…

Wow – was für ein Erlebnis und eigentlich, ja, eigentlich war es der Spaß an der Leichtigkeit des Laufens… – der Weg war das Ziel und nicht die Zeit.

Dennoch, ab diesem Moment (bzw. spätestens 2 Monate danach, als ich meinen ersten Marathon in Frankfurt finishte) war ich überwiegend auf der Jagd nach persönlichen Rekorden … – und irgendwie ging dabei unter, dass ich gar nicht der City-(Halb-)Marathon Bestzeitenjäger war/bin, sondern vor allem der Landschafts(marathon)läufer.

Ich glaube, erst meine jetzt krankheitsbedingt längere Lauf- /Wettkampfpause machte mir das klar. Ausserdem packe ich die Trainingsbelastung der letzten Jahre im Moment eh nicht mehr. Ich stehe also wieder am Anfang – es scheint nen absoluter Neustart, mit neuen Zielen und neuer Trainingskonzeption, aber um das Wissen reicher, was bei mir (zumindest langfristig) nicht funktionierte. Insbesondere mit dem MTB ergänze ich jetzt meine geringen Laufumfänge und kann auch etwas Intensität auf den Trails einbauen, die ich beim Laufen (grad?) nicht bringen kann. Ansonsten arbeite ich verstärkt an der Beseitigung meiner Wehwehchen und es funktioniert. Ich laufe mittlerweile wieder 3 mal die Woche – die Achillessehne zwickt nur noch leicht und meine Plantar fasziitis scheint auch soweit überstanden und Probleme mit dem Knie hatte ich schon ewig nicht mehr.

Am Anfang war damals ne Schnappsidee – Jahre später nen „0 auf 42 Projekt in 6 Monaten“ und jetzt der Wunsch einfach nur wieder Laufen zu können! Im Gegensatz zu vielen Mitläufern von damals bin ich über die gesamte Zeit Läufer (oder jetzt wohl besser Jogger) geblieben – ich hab viele Fehler gemacht, aber ich bin noch dabei… – und das zählt!

Veröffentlicht von

Martin

Ziele wandeln sich durch die Zeiten.

2 Gedanken zu „Am Anfang war …“

  1. Lieber Martin,
    interessant, was du da schreibst bezüglich deiner läuferischen Umorientierung. Ich glaube, ich stehe gerade an einem ähnlichen Punkt. Zwar hat es mich gesundheitlich-physisch bei Weitem nicht so hart getroffen (Knieschmerzen wundersam verschwunden, Achillessehnen: naja, bei DEN Umfängen).
    Aber ich merke: das Laufen läuft nicht mehr so. Wo früher Motivation, Kampfgeist, Erfolgshunger waren, sind heute die Melancholie ob der (in Training und Wettkampf) „vergeudeten“ Zeit, die Frage nach dem Sinn und die Unlust, mir noch allzu große Schmerzen anzutun.
    Man kann das wahrscheinlich „Erwachsenwerden“ nennen, wenn man 31 ist und seit 8 Jahren läuft. Oder „sich vom Erfolg haben treiben lassen“.
    Wird lang, muss dann in den eigenen Blog…
    Berichte hier mal weiter über dich, bringt mir unheimlich viel, zu sehen, dass auch andere mit sich kämpfen.
    Beste Grüße!

  2. Hallo Christiane,

    ja, das Laufen läuft nicht mehr so (das gefällt mir so, das nehm ich mal als geklauten Titel für einen meiner nächsten Posts) – bei mir ursächlich physisch bedingt, dann aber immer mehr auch psychisch. Man geht auf keinen Wettkampf, weil man seine Zeiten nicht für „wettbewerbsfähig“ hält, man verliert die Lust am harten Training, weil man es tagelang danach noch spürt und man deutlich langsamer ist, als noch vor kurzer Zeit etc.

    Wenn man dann an den Punkt kommt, dass man das Laufen an sich in Frage stellt, dann ist es schon fast zu spät. Ich will unbedingt Laufen – ja, absolut, da bin ich mir sicher. Ich muss jetzt schauen, wie ich das so hinbekomme, dass es auch so bleibt und ich auch wieder schmerzfrei und erfolgreich (ultra)lange Strecken bewältigen kann. Laufen kann Entspannung, Selbstbestätigung, Grenzerfahrung etc. sein, bei mir muss der Fokus jetzt aber vor allem auf der Entspannung liegen. Nur wenn ich körperlich ohne große Probleme wieder ins Laufen komme, schaffe ich es auch wieder eine gesunde Regelmäßigkeit ins Training zu bekommen… Eine Regelmäßigkeit, Routine, ohne große Belastungspitzen ist zwar kein zielführendes Training für schnelle Zeiten, aber nur mit einer gesunden Basis ist es mir möglich irgendwann mal wieder mehr zu packen und dann ggf. auch ohne großes körperliches Risiko, das auch wieder schneller.

    Ich weiß noch wie ich es hasste, mit der Pulsuhr im GA1 Bereich saulangsam dahinzuschleichen und die Uhr piepste trotzdem permanent und mahnte mich zu einer gemäßigten Gangart – jetzt brauch ich keine Uhr mehr… ich weiß, dass uich wieder fast ganz am Anfang stehen und daher vor allem mit den langsamen Einheiten, mit Gymnastik und mit Barfusslaufeinheiten auf dem Sportplatz, die Muskulatur neu an die Belsastung des Ausdauertrainings gewöhnen muss. Obwohl mr die saulangsamen Einheiten früher ein Gräuel waren, im Momemt genieße ich es, weil ich danach keine Schmerzen habe. Es geht voran, langsam, aber es geht immer weiter und dank meinem Lauftreff (http://www.burgberg-runners.de), wo ich zumindest einmal die Woche etwas schneller Laufe und dem Fahrrad kommt auch etwas Abwechslung ins Training!

    Viele Grüße
    Martin

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